Grobe Schätzung mit Multiplikatoren

Was ist Ihr Unternehmen wert?

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Wenn Sie Ihr Unternehmen z. B. im Rahmen einer Nachfolgeregelung verkaufen oder eine Beteiligung für Ihre Expansion erwerben möchten, stellt sich immer die Frage nach dem Preis und Unternehmenswert. Als Standardverfahren einer umfassenden Unternehmensbewertung hat sich auch in Deutschland das Ertragswertverfahren bzw. die Discounted-Cash-Flow-Methode etabliert. Danach werden die zukünftigen Erträge (Cash-Flows) mit einem risikoangepassten Zinssatz, der den Renditeerwartungen des Investors entspricht, auf die Gegenwart diskontiert. Um eine schnelle Erstrechnung zu ermöglichen, haben sich aus dem Prinzip des Ertragswertverfahrens einfache Multiplikatoransätze (Praktikermethode) entwickelt. 

Multiplikatoransätze

  • Für die Berechnung benötigen Sie zwei Kennzahlen: Zum einen den Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT; Earnings before Interest und Taxes); zum anderen den Umsatz.
  • Für einen möglichst realistischen EBIT sollten Sie mehrere Jahre in die Berechnung mit einbeziehen. Idealerweise mitteln Sie die Ergebnisse der letzten zwei Jahre, des aktuellen Jahres und der Planzahlen für die nächsten drei Jahre. Bei Start-ups ist das nicht möglich. Hier gilt es, eine plausible durchschnittliche Ertragsgröße zu finden.
  • Nach der Praktikermethode werden EBIT und Umsatz mit einem branchentypischen Faktor multipliziert (Multiple). Der finanzmathematische Hintergrund dafür ist, dass alle zukünftigen EBITs mit einem Risikozins auf die Gegenwart abgezinst werden. Bei einer unendlichen Betrachtung ergibt sich eine ewige Rente. Wenn der Risikozins z. B. 20 Prozent beträgt, dann ergibt sich der Multiple als Kehrwert (1/0,2 = 5). Je höher das Risiko und der generelle Marktzins, desto niedriger der Multiplikator. 
  • In Deutschland veröffentlicht die Zeitschrift "Finance" monatlich marktübliche Durchschnittswerte. Hieran können Sie sich orientieren. Die EBIT-Multiplikatoren für mittelständische Unternehmen liegen je nach Branche zwischen 5 und 10, die Umsatz-Multiplikatoren zwischen 0,5 und 1,5. Software-, Medien- und Pharmaunternehmen erzielen derzeit die höchsten Multiples.

Beispielberechnung

Mit diesen Praktikerformeln können Sie den Wert Ihres Unternehmens nun zumindest grob ermitteln. Beträgt Ihr EBIT z. B. 200.000 Euro und Ihr Umsatz 2,5 Mio. Euro, so erhalten Sie folgende Ergebnisse

  • Untergrenze: 200.000 € x 5 = 1.000.000 €
  • Obergrenze: 200.000 € x 10 = 2.000.000 €

Rechnen Sie mit dem weniger relevanten Umsatz-Multiplikator, so erhalten Sie folgende Ergebnisse:

  • Untergrenze: 2.500.000 € x 0,5 = 1.250.000 €
  • Obergrenze: 2.500.000 € x 1,5 = 3.750.000 €

Fazit

Diese Berechnungen sagen jedoch nichts darüber aus, welchen Verkaufspreis Sie tatsächlich erzielen. Der ist letztlich Verhandlungssache. Lassen Sie diese Faustformeln am besten durch Ihre Steuerberater und Wirtschaftsprüfer durch detaillierte Bewertungen nach der auf Detailplanungen basierenden Ertragswertmethode absichern. Mit der oben beschriebenen Bewertungslogik und den aktuellen Niedrigzinssätzen am Kapitalmarkt lassen sich übrigens auch die derzeit extrem hohen Aktienkurse erklären. Sollte der Zinssatz steigen, werden die Börsenkurse und Immobilienpreise sinken.

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