Risikofaktoren belasten die Wirtschaft

Insolvenzen nehmen zu

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Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) ist die Zahl der beantragten Regelinsolvenzen im Februar um 4,2 % gegenüber Januar 2022 gestiegen. Rollt jetzt die Insolvenzwelle auf uns zu, oder sind die aktuellen Insolvenzzahlen für Februar nur ein Ausrutscher?

Ruhe vor dem Sturm

Die deutsche Wirtschaft zeigt sich nach zwei Jahren Corona noch immer sehr robust. Die befürchtete Insolvenzwelle ist bislang ausgeblieben. Bei den deutschen Amtsgerichten wurden im Jahr 2021 knapp 14.000 Unternehmensinsolvenzen angezeigt, so berichtete Destatis. Das waren 11,7 % weniger als im Jahr davor. Selbst im Jahr 2020 waren die Insolvenzen 25,4 % niedriger als im Vor-Krisenjahr 2019. Damit ist die Zahl der Insolvenzen in den vergangenen zwei Corona-Jahren rückläufig gewesen. Einen Anstieg der Insolvenzen hatte es zuletzt während der Finanzkrise im Jahr 2009 gegeben (+ 11,6 %). Damals meldeten 32.687 Unternehmen Insolvenz an.

Gläubigerforderungen steigen

Im Gegensatz zu den rückläufigen Insolvenzen sind die Gläubigerforderungen im Jahr 2021 gestiegen. Ihr Volumen betrug 48,3 Milliarden Euro (2020: 44,1 Milliarden Euro). Die Zahlen lassen vermuten, dass im Jahr 2021 mehr große Unternehmen in die Insolvenz gerutscht sind als im ersten Corona-Jahr 2020.

Baubranche stark betroffen

Die meisten Insolvenzen gab es in den folgenden Branchen:  

  • Baugewerbe: 2.423 (2020: 2.500)
  • Handel, einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kfz: 2.122 (2020: 2.466)
  • Sonst. Wirtschaftliche Dienstleistungen*: 1.490 (2020: 1.719)

* dazu gehören laut Destatis z. B. Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften, Reisebüros und Reiseveranstalter, Wach- und Sicherheitsdienste sowie Detekteien, Reinigung von Gebäuden, Straßen und Verkehrsmitteln, sowie Messe-, Ausstellungs- und Kongressveranstalter.

Die wenigsten Insolvenzen gab es in den Bereichen Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Energieversorgung sowie Wasser-/Abwasser- und Abfallentsorgung.

Gefahren steigen

Bislang scheint es so, als hätten die Corona-Hilfen gewirkt. Doch keiner weiß, wie viele Unternehmen in die Insolvenz rutschen, wenn die Maßnahmen demnächst auslaufen. Kritiker hatten bereits im Frühjahr 2020 davor gewarnt, dass die umfangreichen Hilfen zu einer Zombifizierung der Wirtschaft führen können. Denn wenn eigentlich zahlungsunfähige und überschuldete Unternehmen nicht aus dem Markt ausscheiden (sollen) und weiterhin am Wirtschaftsverkehr mit ihrer schlechten Bonität teilnehmen dürfen, können sie durch Forderungsausfälle sehr schnell auch gesunde Unternehmen infizieren.

Mit dem Ukraine-Krieg stehen die Unternehmen nun vor ganz neuen Herausforderungen. Die Diskussionen um einen möglichen Gaslieferstopp bereiten vielen Unternehmern und Verbrauchern Sorgen. Die steigende Inflation und die gestörten Lieferketten belasten schon jetzt viele Unternehmen. Druck kommt auch von den Finanzmärkten. Die von den Zentralbanken angekündigten Zinserhöhungen können dazu führen, dass hoch verschuldete Unternehmen schneller in die Insolvenz rutschen.  

Privatinsolvenzen

Im Gegensatz zu den Unternehmensinsolvenzen hat sich Zahl der Privatinsolvenzen mit 79.620 im vergangenen Jahr fast verdoppelt, so die aktuellen Zahlen von Destatis. Es scheint, als hätten viele Verbraucher ihre Privatinsolvenz bis 2021 hinausgezögert, um von der Verkürzung der Restschuldbefreiung Gebrauch zu machen, die seit Oktober 2020 nur noch drei statt sechs Jahre beträgt. Die Betroffenen können nach ihrem Insolvenzverfahren nun wesentlich schneller einen Neuanfang starten.

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