Regionales | Südwestfalen

Axel Deilmann, Business Consulting, Essen

Fördermittel für Digitalinvestitionen

Axel Deilmann, Deilmann Consulting Essen, im Gespräch mit unserem Netzwerk.

Herr Deilmann, nach der Corona-Pandemie soll der politisch gewollte Investitionsschwerpunkt auf digitalen und ökologischen Themen liegen. Ist das schon im kleinen und mittelgroßen Mittelstand angekommen?

Es ist richtig, dass die Politik aktive Leistungsanreize in die Bereiche der Digitalisierung und in die Nachhaltigkeit gesetzt hat. Diese Förderungen sind insbesondere mit der neuen EU-Haushaltsperiode von 2021 bis 2027 angestoßen worden. Alleine mit dem Strukturfond „Next Generation EU“ ist ein siebenjähriger Haushalt von 361,18 Mrd. € oder 33,62 % des EU-Haushaltes ohne Corona-Hilfen bereitgestellt worden.

Im kleinen und mittelgroßen Mittelstand sind diese Themen noch nicht flächendeckend angekommen. Nicht aber, weil darüber nicht über die Kammern und Verbände und in den einzelnen Interessenvertretungen gesprochen und berichtet würde. Viele Unternehmen haben noch Scheu vor dem Neuen und verharren in der Hoffnung, dass die gute alte Zeit nach der Corona-Krise 1:1 wiederkehrt. Eines ist sicher: das wird nicht so sein. Deswegen sollten auch insbesondere kleinere Mittelständler die Krise als Chance begreifen und aktiv diese Themen angehen.

Was sind die wichtigsten Förderprogramme in Deutschland für Digitalisierungsinvestitionen (Produkte und Prozesse)?

Diese Frage ist zu komplex, als sie seriös in einer Aussage vollumfänglich beantworten zu können. Wir haben derzeit im Bund, in den Bundesländern und in der EU ca. 3.300 Förderprogramme. Davon gibt es auf Bundesebene 400 verschiedene Förderprogramme im Bereich der Digitalisierung. Deswegen ist ein Grundverständnis wichtig. Im Zuge von Investitionen in die Digitalisierung gibt es zwei wesentliche Unterteilungen: Förderungen für IT-Technische Beratungen können öffentlich bezuschusst und/oder finanziert gefördert werden. Das heißt, dass die Unternehmen, bevor sie überhaupt Investitionen in welcher Form auch immer in die Digitalisierung vornehmen wollen, erst einmal wissen müssen, wie ihr aktueller Status Quo ist und was sie zukünftig mit der Digitalisierung erreichen wollen. Hierfür können sie speziell akkreditierte IT-Consulting Firmen beauftragen, damit diese die Analysen und Konzeptionen ausarbeiten und konkrete Handlungspläne und Maßnahmen erarbeiten. Diese Informationen, Konzepte und Handlungspläne bilden dann später die Basis für die anzustrebenden Sachinvestitionen. Dabei unterliegen die Beratungen im Wesentlichen drei Schwerpunktthemen:

  • Digitalisierung von Geschäftsprozessen
  • Digitale Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen
  • Digitalisierung IT-Sicherheit

Die zuvor genannten Schwerpunktthemen der Beratung als auch die daraus resultierenden Sachinvestitionen in die Soft- und Hardware sowie in die IT-Technischen Dienstleistungen gelten für alle Fach- und Funktionsbereiche eines Unternehmens in allen Branchen und Wirtschaftszweigen.

Wenn die Unternehmer nun wissen, worin die Investitionen begründet sind und wie und wodurch sie ihre Unternehmen zukunftsfähiger machen können, können sowohl die Sachinvestitionen in die Soft- und Hardware als auch in die IT-Technischen Dienstleistungen wiederum extra mit öffentlichen Mitteln gefördert werden.

Gibt es Fördertöpfe direkt bei der EU? Wie sind die Wege dahin?

Ja, es gibt sogar eine große Anzahl an Fördertöpfen, die sogenannten „Brüsseler Töpfe“, die ausschließlich in Brüssel beantragt werden können. Diese sind ebenso zahlreich, dass es nicht möglich ist, auf alle Fördermöglichkeiten im Einzelnen einzugehen. Deswegen seien einige Schwerpunktthemen genannt. Diese sind:

  • Horizont Europa (Forschung & Entwicklung)
  • Erasmus + (Aus- und Weiterbildung)
  • Digitales & Kreatives Europa
  • Life (Umwelt- und Klimaschutz)
  • EU 4 Health

Für diese fünf Themenkomplexe stellt die EU für die Zeit von 2021 bis 2027 insgesamt einen Haushalt von 205,5 Mrd. € oder 19,13 % des gesamten Budgets ohne die Corona-Hilfen zur Verfügung. Hierbei handelt es sich in der Regel um Zuschussprogramme, die sowohl den KMUs als auch den großen Unternehmen zugänglich sind. Wie erfolgt nun die Antragstellung?

  • Programm- und ausschreibungsspezifische Förderung
  • Ausschreibungen nach gleichen Regeln für alle 27 Mitgliedstaaten
  • Einheitliche Sprache ist Englisch
  • Drei europäische Partner sind notwendig
  • Drei Mitgliedstaaten sind notwendig
  • Laufzeit / Dauer: In der Regel 3 Jahre
  • Lead-Partner-Prinzip
  • Anteilige Projektfinanzierung der EU-Kommission liegt bei (50 % - 80 %)

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass das Thema Fördermittel durchaus komplex und sehr dynamisch ist. Es gibt keine starren Regeln und „schwarz-weiß-Anwendungen“. Fördermittel haben auch nicht den Sinn und den Zweck, Investitionen zu 100 % zu finanzieren, sondern Fördermittel machen in manchen Fällen Investitionen überhaupt erst möglich bzw. sie reduzieren die Investitionskosten deutlich und können z. B. weitere positive Effekte, wie Umweltaspekte hervorbringen. Nachweislich verbessern Unternehmen, die Fördermittel regelmäßig und wiederkehrend nutzen, ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber jenen Unternehmern, die hiervon keinen Gebrauch machen.

Vielen Dank für das Gespräch Herr Deilmann.

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