Regionales | Südwestfalen

Daniela Tigges, Familotel Ebbinghof

Neustart in der Corona-Krise

Daniela Tigges, Inhaberin des Familotels Ebbinghof in Schmallenberg (Sauerland) im Gespräch mit unserem Netzwerk.

Frau Tigges, Sie haben Ihr Familienhotel vor einigen Tagen für einige überraschend auch für Geschäftskunden geöffnet. Darauf gehen wir weiter unten noch ein. Aber vorab einige Fragen zu Ihrem Hotel und Werdegang. Welche Historie hat der Ebbinghof?

Der Bauernhof, auf dem unser jetziges Familotel Ebbinghof steht, befindet sich seit 14 Generationen in unserem Familieneigentum. Mein Vater, ausgebildeter Landwirt, musste jedoch aufgrund eines schweren Unfalls 1973 die Landwirtschaft aufgeben. Er baute daher den Hof zu einem kleinen Hotel um. Urlaub auf dem Bauernhof war damals ein einsetzender Trend.

Wie ist denn dann Ihre Karriere verlaufen? Wann haben Sie den elterlichen Betrieb übernommen?

Das Hotelfach habe ich von der Pike auf gelernt. Zuerst absolvierte ich eine Ausbildung zur Hotelfachfrau. Danach folgte ein Studium der Hotelbetriebswirtschaft. 10 Jahre habe ich dann in anderen Hotels Praxiserfahrungen gesammelt, bevor ich dann das Familotel Ebbinghof 2007 eigenverantwortlich übernommen habe.

Wie ging es dann weiter? Als Nachfolgerin ist es ja auch wichtig, eigene Akzente zu setzen.

Bereits 2005 haben wir uns der Marketingkooperation „Familotels“ angeschlossen. Damit wurde unsere Zielgruppenausrichtung noch klarer. Wir bieten Eltern mit kleineren Kindern seitdem einen qualitativ hochwertigen Allinklusive-Urlaub mit geräumigen Appartements, ganztägiger Kinderbetreuung mit altersabhängiger Freizeitgestaltung in der Natur und einer Vollverpflegung. 2012 haben wir dann erstmalig unser Familienhotel baulich verändert. Wir verlegten dabei eine Straße direkt vor unserem Haus und erweiterten unsere Zimmerkapazität. 2018 folgten dann ein großer Anbau und die Neugestaltung unseres großen Kinderspielplatzes direkt vor dem Hotel. Diese Maßnahmen, mit denen wir unsere Kapazitäten auf 180 Betten erhöhen konnten, wurden jedoch erst kurz vor der Corona-Pandemie fertiggestellt.

Wie ist es Ihnen denn als Hotelinhaberin und Gastronomin in der Corona-Krise bisher ergangen?

Wie gesagt, wir haben umfangreich investiert und konnten in unseren neuen Appartements durch die verhängten Lockdowns noch keine Gäste begrüßen. Das tut natürlich finanziell und ideell weh, da wir mit Herz und Blut Familienhoteliers sind. Am Anfang der Pandemie, wo niemand wusste, was da auf uns zukommt, konnte ich die Angst und Vorsicht unserer Politiker gut nachvollziehen. Gleichwohl waren wir froh, dass wir dann im Sommer 2020 zumindest unter strengen Auflagen wieder öffnen konnten. Jetzt sind wir jedoch seit fast sechs Monaten wieder im Lockdown, obwohl viele wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Ansteckungsgefahr in Hotels äußerst gering ist. Mein Verständnis für unser von der Politik verhängtes faktisches Berufsverbot hält sich daher in Grenzen. Alle unsere Interventionen bei Politikern haben bisher nicht gefruchtet.

Aber, die Bundesregierung hat doch ein Milliardenförderpaket für den Mittelstand aufgelegt. Sind Sie finanziell nicht entschädigt worden?

Die November- und Dezemberhilfe ist bei uns geflossen. Auch haben wir einen Großteil unserer 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Das hat uns schon finanziell entlastet. Doch auf Dauer ist das nicht genug. Als Unternehmerin mit einer Verantwortung für unsere Beschäftigten, die eigene Familie und unseren Traditionsbetrieb mussten wir daher nach neuen und noch offenen Wegen suchen, wie wir auch in der Krise wieder öffnen konnten. Daher haben wir unser Zielgruppenkonzept erweitert. Wir verstehen uns nun auch explizit als ein Hotel für Geschäftskunden mit und ohne Kind.

Wie sieht denn Ihre Strategie dabei aus? Ist Ihr Ansatz rechtlich überhaupt möglich?

Eine Übernachtung von Geschäftsreisenden bei einer zwingend notwendigen Geschäftsreise ist möglich. Die Bestimmungen sind interpretationsfähig. Wir haben das natürlich mit unseren Juristen besprochen. Unser Ansatz geht daher dahin, dass wir Unternehmerinnen, Unternehmer und Soloselbstständige, die unter Kollateralschäden leiden, unterstützen und damit auch einen Beitrag zur Pandemiebekämpfung leisten möchten. Es ist doch so, dass viele Homeoffice und Kinderbetreuung nicht mehr unter einen Hut bringen können. Die Nerven liegen blank. Die häusliche Gewalt steigt. Kinder leiden. Wir sind daher als Familienhotel prädestiniert dafür, eine sinnvolle Alternative zu schaffen.

Geschäftsleute mit/ohne Kindern können dank neuer Glasfaserverbindung z.B. in unserem Gästebüro arbeiten, während wir mit unseren pädagogischen Fachkräften für die Kinderbetreuung sorgen. Viele Eltern mit einem eigenen Geschäft leiden mittlerweile auch an einem Burn-out. Auch bieten wir in der Ebbinghof-Akademie Kurse an, z. B. wie Unternehmerinnen und Unternehmer gestärkt aus der Corona-Krise kommen können.

Vielen Dank Frau Tigges für das Gespräch.

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Partner

Familotel Ebbinghof

Daniela Tigges
Ebbinghof 5
57392 Schmallenberg

Fon: +49 2972 97550

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