Regionales | Südwestfalen

Achim Hahn, Märkische Bank eG

Mittelstand in Corona-Zeiten

Achim Hahn, Vorstand der Märkischen Bank eG, im Gespräch mit unserem Netzwerk mittelstand-südwestfalen.de.

Herr Hahn, die Corona-Krise betrifft auch den Mittelstand. Wie ist die Situation im Moment bei Ihren Firmenkunden und in Südwestfalen?

Insgesamt sind unsere Firmenkunden bisher ganz gut durch die Krise gekommen. In den letzten Jahren haben unsere mittelständischen Unternehmenskunden ihre Eigenkapitalquote verbessern können. Die Liquiditätssituation ist noch stabil. Von diesen Puffern zehren viele. Gleichwohl trifft es Branchen besonders hart, die vom Lockdown unmittelbar betroffen sind, wie z. B. Restaurants, Hotels, stationärer Einzelhandel, Reiseanbieter und die Event- und Kulturbranche. 2020 haben aber auch einige Unternehmen von der Krise besonders profitiert. Dazu gehören z. B. Online-Händler und Anbieter rund um das Thema Haus & Garten. Viele haben ihr gespartes Geld z. B. in die Renovierung, in Möbel oder in ihre Gärten investiert. Wie sich die Lage nun nach dem mehrmonatigen Lockdown ändert, bleibt abzuwarten.

Die Politik hat große Corona-Förderpakete geschnürt und nach eigener Beurteilung die Bazooka ausgepackt. Wie beurteilen Sie die Maßnahmen? 

Als Bank haben wir in den letzten Monaten eine sehr arbeitsreiche Zeit erlebt. Unsere Beraterinnen und Berater haben ihre Firmenkunden intensiv unterstützt, um notwendige KfW-Fördermittel aus den unterschiedlichsten Programmen zu erhalten. Die Fördertöpfe wurden von der Politik meiner Meinung nach großzügig und schnell bereitgestellt. Lediglich bei den zugesagten November- und Dezemberhilfen hakt es noch ein wenig. Insgesamt haben wir in den letzten Monaten über 50 Millionen Euro Förderkredite aus den KfW-Coronahilfen bewegt, unsere Gruppe der Volks- und Raiffeisenbanken übrigens bundesweit über 10 Mrd. Euro. Das sind rund 30 Prozent des gesamten bisherigen Antragsvolumens in Deutschland. Das zeigt, dass die heimische Wirtschaft sich auf uns als regionale Mittelstandsbank verlassen kann.

Zusätzlich ist es wichtig, dass die Bundesregierung die Warenkreditversicherer weiter unterstützt. Denn es wäre fatal, wenn die Lieferketten durch Forderungsausfälle und Misstrauen belastet würden.

Wie beurteilen Sie die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung?

Zunächst einmal hoffen wir alle, dass der Impfstoff so schnell wie möglich allen zur Verfügung steht, damit allmählich wieder Geschäfte und Restaurants öffnen und Reisen zumindest in Ansätzen möglich sind. Auch die weltweiten Lieferketten müssen sich wieder stabilisieren. Insgesamt scheint die deutsche Wirtschaft mit einem Minus von 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in 2020 international gesehen noch einigermaßen gut durch die Krise gekommen zu sein. Unser Mittelstand in der Region Südwestfalen ist stark und die Exporte werden wieder anziehen. Insgesamt rechne ich in Deutschland für 2021 mit einem Wirtschaftswachstum von 4-5 %. Helfen wird sicherlich der Aufschwung in China. Südwestfalen als stärkste Wirtschaftsregion in NRW wird davon ebenfalls profitieren.

Wie ist es Ihnen selbst ergangen und welche Maßnahmen haben Sie ergriffen?

In der Bank sind wir bisher von Corona-Fällen weitgehend verschont geblieben. Im Frühjahr 2020 haben wir sofort unsere Geschäfts- und Kundenprozesse an die neue gesundheitliche Gefährdungslage angepasst. Zugute kam uns dabei unser KundenDialogCenter Märkische Bank Direkt. Das ist unsere virtuelle Filiale mit rund 20 Teilzeitbeschäftigten, alle mit Bankausbildung. Im letzten Jahr haben wir dort 120.000 Kundengespräche geführt. In diesem Jahr rechnen wir mit 130.000 Kundenkontakten, per Telefon, Chat oder Video. Die Resonanz unserer Kunden auf unser modernes Beratungsangebot ist gut. Auch werden dadurch unsere Firmenkundenbetreuer und Privatkundenberater entlastet. Sie haben dann mehr Zeit für die persönliche Individualberatung.

Weiterhin haben wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mobiles Arbeiten ermöglicht. Aktuell können rund 25 % unserer 265 Beschäftigten dieses Angebot nutzen. Die Kombination zwischen Büropräsenz und Homeoffice wird auch nach der Corona-Krise ein Erfolgsfaktor bleiben. Unsere Mitarbeiter sind hochmotiviert und wissen diese hybride Form des Arbeitens zu schätzen. So ist unsere Bank von der Zeitschrift Fokus Business als Top-Arbeitgeber bewertet worden. Darüber hinaus wurden wir auch zum wiederholten Male als Familienfreundliches Unternehmen ausgezeichnet.

Hat sich die Corona-Krise eigentlich auch im Bezahlverhalten Ihrer Kunden bemerkbar gemacht?

Ja, auf jeden Fall. Die Bargeldauszahlungen an unseren Geldautomaten haben sich phasenweise in den letzten Monaten um 30 Prozent im Volumen und sogar um 40 Prozent bei der Anzahl der Transaktionen reduziert. Viele bezahlen mittlerweile selbst Kleinstbeträge mit der Karte oder kontaktlos mit dem Smartphone. Hygiene und Einfachheit spielen dabei sicherlich eine Rolle. Bargeld wird auch nach der Corona-Krise wichtig bleiben, aber weiter an Bedeutung verlieren.

Gibt es nach Corona wieder ein Zurück in die alte Welt?

Die nun gut eingeführten digitalen Prozesse haben sich bewährt und werden bleiben. Sie gilt es sogar kundenorientiert weiterzuentwickeln und zu verbessern. Gleichwohl glaube ich, dass der persönliche Austausch face-to-face auch wieder zunehmen wird. Die Leute sehnen sich nach direkten Begegnungen und sozialen Kontakten. Zukünftig werden hybride Ansätze erfolgreich sein. Unternehmen müssen den digitalen und persönlichen Austausch im Einklang miteinander anbieten. So werden wir z. B. auch unsere bewährten Netzwerktreffen von mittelstand-südwestfalen.de mit Vorträgen und Unternehmertalks aufleben lassen, sobald das wieder möglich ist.

Vielen Dank Herr Hahn für das Gespräch.

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