Regionales | Südwestfalen

Talk mit Christian Futterlieb, Partner und Geschäftsführer von VR Equitypartner

Investieren oder abwarten?

Noch weiß niemand, wie hart uns die zweite Corona-Welle treffen wird. Wie sollte man sich angesichts der Unsicherheit verhalten – die Zeit für Zukäufe nutzen oder warten, bis das Bild eindeutiger wird? Christian Futterlieb, Geschäftsführer von VR Equitypartner, gibt im Interview Antworten.

Herr Futterlieb, VR Equitypartner hat in den letzten Wochen gleich zwei neue Beteiligungen bekanntgegeben; die Beteiligung Bookwire hat gerade einen Zukauf bekanntgegeben. Ist jetzt also die richtige Zeit, in neue Beteiligungen zu investieren?

Das kann man nicht so pauschal beantworten. Wir haben die aktuellen Beteiligungen sorgfältig geprüft und sind überzeugt, dass sie zu uns passen und großes Potential haben. Warum dann warten?

Keine Sorge, dass Sie sich in ein paar Monaten ärgern, falls es zu einer größeren Wirtschaftskrise infolge der Corona-Pandemie kommt?

Niemand weiß, ob und wann es dazu kommt. Unabhängig von Corona bestehen hohe Risiken durch Verschuldung, Vernetzung und Gleichlauf der Weltwirtschaft sowie der Geopolitik. Sobald das Verbrauchervertrauen sinkt, kann es zu deutlichen Verwerfungen an den Finanzmärkten kommen, was konsequenterweise negative Auswirkungen auch auf Unternehmenspreise haben würde. Aber wir sind keine Investmentbanker, sondern Mittelstandsfinanciers; wir verfolgen keine Timing-Strategien. Wir können unsere Beteiligung problemlos sieben oder acht Jahre entwickeln. Wenn wir dann die Schlussrechnung aufmachen, werden Konjunkturkrisen üblicherweise von den langfristigen wirtschaftlichen Branchentrends überlagert. Darum sind auch derzeit hochaktuelle Themen wie die US-Präsidentschaftswahl kein wirklich relevanter Faktor.

Das klingt ganz danach, dass Sie jetzt weiter zukaufen werden…

Zumindest halten wir die Augen offen. Bis ein Deal unter Dach und Fach ist, vergeht immer mehr Zeit als ursprünglich gedacht. Darum legen wir unsere Zukaufpläne nicht auf Eis. Aber wir sind uns der Risiken durchaus sehr bewusst. Entsprechend vorsichtig agieren wir: Liquidität vorhalten, konservativ finanzieren, die Unternehmen risikoorientiert aufstellen. Das gilt nicht nur bei möglichen Zukäufen, sondern natürlich auch für das Portfolio. Beispielsweise finanzieren wir Neubeteiligungen zu mindestens 50 Prozent im Eigenkapital. Und wir schauen uns Geschäftsmodell und Markt vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung genau an.

Schließen Sie derzeit ganze Branchen aus?

Nicht grundsätzlich, aber bei einigen Branchen sind wir sehr vorsichtig. Automotive gehört dazu, auch Teile des Maschinenbaus. Im grundsätzlich zyklischen Automobilbereich ist momentan technologisch sehr viel in Bewegung. Dazu kommt noch die stark politisch beeinflusste Energieversorgung. Das sind Veränderungen, bei denen die Kosten und die Umsatzeffekte nur mit sehr hohen Unsicherheiten einschätzbar sind. Da eignen sich aktuell eher Themen wie z. B. Dienstleistungen, IT, Software, Leistungselektronik und Automatisierung.

Aber sucht nicht fast jeder aktuell nach IT-Unternehmen?

Der M&A-Markt ist momentan wirklich sehr zugespitzt. Da bestimmte Branchen nicht vermarktbar sind, verzeichnen wir einen Angebotsrückgang bei unverändert hoher Nachfrage. Daher ist die Konkurrenz groß. Wir sind allerdings mit unserem Fokus auf die kleineren Unternehmen gut positioniert.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Futterlieb.
 

Christian Futterlieb ist Managing Partner und Geschäftsführer bei der Frankfurter Beteiligungsgesellschaft VR Equitypartner, einem der führenden Eigenkapitalfinanzierer in Deutschland und 100prozentige Tochter der DZ Bank. Futterlieb verantwortet die Akquisition und Wertsteigerung von Direktbeteiligungen sowie Mezzanine-Finanzierungen.

Partner

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Fon: +49 69 710 476-152
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